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Familienchronik

Laufersweiler und Švihálek,

sowie einige angeheiratete Linien.

 

Band I – 1995

Angepasst fürs Internet in Mai 2004

 

Autor: Shlomo Leonard Laufersweiler

 

 

 

 

Außer handfesten Lebensregeln sind gute Erinnerungen

das Beste, was man den Kindern mitgeben kann.

 

Worms, den 19. Juli 1995


 

INHALTSVERZEICHNIS

 

1. Vorwort zur Internet-Ausgabe 2004

2. Einführung............................................................................................................................................................... 3

2.1. Warum Familienforschung?............................................................................................................... 3

2.2. Angewandte Forschungsmethoden................................................................................................. 3

2.3. Quellenübersicht.................................................................................................................................. 4

3. Stamm Laufersweiler............................................................................................................................................... 5

3.1. Legenden.............................................................................................................................................. 5

3.2. Ort Laufersweiler in Hunsrück und die Namensgeschichte.......................................................... 5

3.3. Genealogische Funde zwischen 1630 und 1878.............................................................................. 6

3.4. Älteste direkte Vorfahren nach dem 30-jährigen Krieg.................................................................. 10

3.5. Galizische Periode 1785 - 1939............................................................................................................ 10

3.5.1. Die Kolonisten.................................................................................................................. 10

3.5.2. Zurück nach Westen........................................................................................................ 13

3.6. Emigration in die USA......................................................................................................................... 14

3.7. Nicht zugeordnete Linien................................................................................................................... 14

3.8. Übersicht heute in Deutschland lebender Laufersweiler (Stand 1995)........................................ 14

3.9. Übersicht heute außerhalb Deutschlands lebender Laufersweiler (Stand 1995)....................... 16

4. Stamm Svihálek....................................................................................................................................................... 18

5. Stamm Brezina......................................................................................................................................................... 18

6. Stamm Jonczy.......................................................................................................................................................... 18

7. Stamm Müller und Harlfinger................................................................................................................................ 18

8. Stamm Manz und Sauer......................................................................................................................................... 18

9. Schlußwort............................................................................................................................................................... 19

10. ANHANG............................................................................................................................................................... 20

10.1. Bibliographie...................................................................................................................................... 20

10.2. Index.................................................................................................................................................... 20

10.3. Urkunden und Dokumente............................................................................................................... 22



 

1. Vorwort zur Internet-Ausgabe 2004

 

Die vorliegende Arbeit wurde in 1995 als gebundenes Buch erstellt. Für die Internet-Ausgabe 2004 wurden folgende Anpassungen vorgenommen:

-          Abschnitte mir personenbezogenen Daten für die Zeit nach dem II. Weltkrieg wurden aus Datenschutzgründen teilweise entfernt oder angepasst.

-          Graphiken wurden teilweise für den Bildschim angepasst oder weggelassen

-          Die Forschungsdaten und die Stammbaumdaten sind auf dem Stand von 1995

-          Veränderungen nach 1995 wurden meistens noch nicht berücksichtigt

 

2. Einführung

 

Die mündlich überlieferten Legenden der Familie Laufersweiler waren teilweise so unglaublich und abenteuerlich, daß ich der Verlockung nicht widerstehen konnte, sie durch systematische Erforschung der zugänglichen Quel­len weiter zu beleuchten.

 

Jedes Fürstenhaus, jeder Adelige, viele bekannten und berühmten Familien haben ihren Stammbaum. Doch wo wir selbst herkommen - ob wir nun Didié, Novák, Lippert, Švihálek, Brezina, Jonczy oder Laufersweiler heißen - liegt für uns meistens im Verborgenen.

 

Gerade noch Großeltern oder Urgroßeltern sind bekannt, danach verliert sich die Spur unserer Familie oft im Dunkeln. Warum also nicht einmal systematisch die Wurzeln der eigenen Herkunft erforschen?

 

Um die Mosaiksteine der vergangenen Generationen zusammenzufügen, wurde ein Familienarchiv gegründet, in dem die Spuren der Sippschaft gesammelt wurden. Vom Interesse waren nicht nur trockene Zahlen, sondern auch Geschichten, Legenden und Anekdoten, jüdische und adelige Verwandtschaft oder Vorfahren, berufliche Pleiten und große Erfolge. Im Laufe dieser Arbeit hat es sich gezeigt, daß das Quellenmaterial viel umfangreicher ist als zuerst ange­nommen, und daß seine vollständige Auswertung wohl mehrerer Forscher bedarf. Insofern ist diese Arbeit kein abgeschlossenes Werk, sondern eher eine einführende Untersuchung.

 

Das Ergebnis dieser Forschung, die fast ein Jahr gedauert hat, sind Stammbäume und eine kurze Familienchronik, die nicht nur unsere Wurzeln erhellt, sondern die auch unseren Nachkommen die Umwälzungen der heutigen Zeit dokumentiert.

 

2.1. Warum Familienforschung?

Sammeln - Dinge welcher Art auch immer - gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Neben Briefmarken, Münzen, Tellern, Schallplatten ist auch Nostalgisches vielen Menschen ein faszinierendes Hobby geworden. So findet auch die Geschichte der Familie immer mehr Interesse. Dadurch kann auch Familien- und Ahnenforschung zu einem spannendem Hobby werden. Warum sollte man nicht einmal etwas sammeln, das an die Wurzeln der eigenen Herkunft führt?

 

2.2. Angewandte Forschungsmethoden

 

Die Anzahl der Vorfahren wächst arithmetisch mit der Anzahl der erforschten Generationen. So haben wir zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern, sechzehn Ur-Urgroßeltern - und das ohne deren Geschwister zu rechnen. Aber die Ur-Urgroßeltern wurden erst um den Anfang dieses Jahrhunderts geboren. Zehn Generationen bedeuten 1024  Vorfahren in direkter Linie. Mit zehn Generationen sind wir jedoch erst im 17. Jahrhundert angelangt. Familienforschung wird zu einer wahren Leidenschaft - denn man kann immer wieder in die Vergangenheit zurückgehen. Immer wieder steht man vor der Frage: Was war davor? Wer war davor?

 

Seit dem Ende des Mittelalters leben wir in einer sehr schnellebigen Zeit. Kriege, Revolutionen, technische In­novationen, Emanzipation, Entdeckungen von neuen Kontinenten, Inflationen, Wirtschaftswunder, Niedergang des Kommunismus, Ostheimkehrer - all dies sind prägende Ereignissen, die die jeweilige Zeit be­stimmt haben. Erst das Verständnis dieser Begleitumstände beleuchtet die Hintergründe und Beweggründe unserer Vorfahren. Der Alltag der Einzelpersonen wurde durch die Geschichte von Städten und Regionen be­stimmt. Die Spuren der Einzeleinflüsse sind unterschiedlich dokumentiert. Über manche Epochen sind zahlreiche Zeugnisse, Bücher und Museen erhalten, über andere können wir nur spekulieren.

 

Um den Gesamtumfang dieser Arbeit in Grenzen zu halten, wurden folgende Grundregeln aufgestellt:

      Das primäre Ziel ist die Erforschung der Vorfahren mit dem Familiennamen Laufersweiler. Um dieses Haupt­ziel zu erreichen wurde der größte Aufwand betrieben. Die Ausgangspersonen sind meine beiden Kinder Judith Jael und Eli Jochanan Laufersweiler.

      Die angeheirateten weiblichen Linien bei direkten Vorfahren werden nach Möglichkeit weitgehend berücksichtigt, soweit deren Ermittlung mit vertretbarem Aufwand möglich ist.

      Sonstige und verschwägerte Linien wurden nur dann aufgenommen, wenn deren Stammbäume bereits fertig vorlagen und ohne großen Aufwand integrierbar waren.

 

Da sich diese Arbeit also vor allem auf die patriarchalische Linie konzentriert, bietet die Erforschung der matriarchalischen Linien noch viele Betätigungsfelder für die Zukunft.

 

Je nach Geschichtsabschnitt wurden verschiedene Forschungsmethoden eingesetzt.

 

      Die jüngere Geschichte bis in die Gegenwart hinein (20. Jahrhundert) wurde vor allem durch die Befragung der lebenden Familienangehörigen durchgeführt. Dazu wurde ein Fragebogen entwickelt. Die Reaktion auf diese Um­frage war unterschiedlich und reichte von einer begeisterten Zustimmung und detaillierten Einzelinform­ation bis zum Desinteresse. Durch die Fragebogenmethode wurden einige Laufersweiler-Linien ermittelt, die jedoch zu der Hauptlinie nicht zugeordnet werden konnten. Sie werden im Weiteren als Basis für mögliche künftige Forschung aufgelistet.

      Die authentischen Aufzeichnungen von Ida Didié, geb. Laufersweiler dokumentieren das Leben der Nachkommen von Adolf Phillip Laufersweiler.

      Die mittlere Geschichte (19. bis 18. Jahrhundert) wurde aus bestehenden genealogi­schen Urkunden und aus der zahlreichen Literatur über die Galiziendeutschen ermittelt. Die wichtigsten literarischen Quellen dieser Epoche der Familie Laufersweiler sind die Bücher vom Fritz Seefeld[1], mit dem wir über die zweite Frau von Adolf Laufersweiler - Mathilde Harlfinger verschwägert[2] sind.

      Wichtige Hilfe bei der Erforschung der mittleren Geschichte kam über die Arbeitsgemein­schaft ostdeutscher Familienforscher e.V. (AGoFF). Der Leiter der Forschungsstelle Galizien und Bukovina der AGoFF, Herr Manfred Daum überprüfte, korrigierte und ergänzte in mühevoller Kleinarbeit in Archiven und Kirchenbüchern von Galizien, die sich im Besitz der Sippenkundlichen Arbeitsgemeinschaft im Hilfskomitee der Galiziendeutschen befinden, die genealogischen Angaben dieser Epoche. 

      Die ältere Geschichte (17. Jahrhundert und älter) wurde direkt aus Archiven und Kirchenbüchern in der Pfalz (Partenheim) ermittelt.

      Gespräche mit Dr. Fritz Schellack - Autor der Dorfchronik vom Ort Laufersweiler[3] - halfen bei der Datierung der gegenwärtigen Schreibweise des Ortsnamens Laufersweiler, deren Zusammenhang mit dem Familiennamen Laufersweiler vermutet wird.

      Die mündlichen Überlieferungen von Erich Ferdinand Laufersweiler bewahrten viele wertvolle Hinweise und Legenden über die Familiengeschichte.

      Die in tschechischer Sprache handgeschriebene Familienchronik von Viktor Švihálek ist als Anhang beigefügt. Sie ist ein einmaliges Zeugnis der böhmischen Familiengeschichte.

 

2.3. Quellenübersicht

 

Die verschiedenen Informationsquellen sind häufig verkettet, so daß eine gegenseitige Überprüfung und Ergänzung die Zuverlässigkeit der Informationen erhöht. Den höchsten geschichtlichen Beweiswert besitzen Informationen, die aus mehreren unabhängigen Quellen stammen.

 

Die nachfolgende Graphik ist ein Beispiel einer typischen Quellenverkettung, wie sie in dieser Arbeit häufig vorkam:

 

 

Kritisches ist zur den Literaturquellen erforderlich. Einige wichtige Quellen über deutsche Siedlungen in Galizien stammen aus der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945 und tragen dadurch deutliche propagandistische Züge. Die Texte wirken einseitig, glorifizieren die deutschen Kolonisten und äußern sich arrogant über andere Bevölkerungsgruppen. Die Begeisterung für Hitler war in den Siedlungsgebieten öfters eifriger als in Deutschland selbst.

 

Ein trauriges Zeugnis für eine seltsame Vermischung von Religion und Nazismus sind zum Beispiel einige Äußerungen des Pfarrers Fritz Seefeld, der wohl einer der am meisten zitierten Chronisten des Dornfelder Bezirks in Galizien ist, in dem unsere Vorfahren lebten. Er fordert eine stärkere Bindung der deutschstämmigen Kolonien an das Deutschtum, um eine allmähliche Vermischung mit der Umgebung zu verhindern: In dem Schlußwort seiner Chronik verlangt er die volle Hingabe der deutschstämmigen Protestanten an den Führer: "Dann müßt Ihr euch nicht nur für Adolf Hitler begeistern, sondern Ihr müßt euch von seinen Ideen überwältigen lassen, Ihr mußt vom Umbruch des deutschen Volkes mitgerissen sein. ... Nun horcht auf, was über die Grenze [von Deutschland] zu euch dringt von der Heiligkeit der göttlichen Schöpferordnung."[4] Seine Geschichtsschreibung ist durch diese Ideologie deutlich beeinflußt.

 

Das andere Ende des Spektrums bilden einige polnischen Historiker, die unter den deutschen Auswanderern nach Galizien nur "Habenichtse" sehen, die kaum etwas zum Aufbau des Landes eingebracht haben.

 

Eine objektive Geschichtsschreibung der deutschen Siedlungsgebiete in Osteuropa ist jedoch bis heute ein heikles Politikum, und es wird wohl noch eine Historikergeneration dauern bis neue, nicht ideologisch gefärbte Geschichtsbücher geschrieben werden.

 

 

3. Stamm Laufersweiler

 

3.1. Legenden

 

Die Legenden über die Familie Laufersweiler und ihr Weg von Hunsrück nach Galizien wurden von Erich Ferdinand Laufersweiler mit viel Hingabe weiter erzählt und somit für die Nachkommen erhalten.

 

Die älteste mündliche Überlieferung berichtet über die Namensgeschichte Laufersweiler: "Vor dem 30-jährigen Krieg hat in der Nähe des Ortes Laufersweiler in Hunsrück ein Bauer dem König das Leben gerettet. Dafür wurde er in den Adelsstand erhoben und wurde Freiherr von Laufersweiler. Da die Laufersweiler Protestanten geworden sind, mußten sie im Zuge der Auseinandersetzungen des 30-jährigen Krieges ihren Heimatort in Richtung Osten verlassen, sie gingen nach Salzburg und später nach Wien. Angeblich hatten sie enge Verbindungen zu den Herrscherhäusern, sogar bis zum Hof in Wien. Überall waren sie aktive Protestanten, was ihnen häufig Konflikte mit der katholischen Umgebung bescherte. Sie mußten öfters weiterziehen. Später soll ein Vorfahre - die Legende berichtet, daß es in Ungarn war - wegen seiner ausschweifenden Lebensführung den adligen Titel verloren haben. Die Familie zog dann nach Galizien in die Nähe von Lemberg."

 

Diese Arbeit hat bestätigt, daß einige Teile dieser Überlieferung  in geschichtlichen Tatsachen wurzeln. Die adlige Herkunft und der "von" Titel konnten aus den vorhandenen Quellen für die Laufersweiler zwar nicht nachgewiesen werden, dafür gibt es jedoch Indikationen, daß über eine angeheiratete Linie (Manz), die Vorfahren bis zum Karl dem Großen reichen.

 

3.2. Ort Laufersweiler in Hunsrück und die Namensgeschichte

 

Woher kommt der Name Laufersweiler? Die Namenswissenschaftler klassifizieren diesen Familiennamen in die Gruppe der Herkunfts- bzw. Ortsnamen. Die Ortsnamen gehören neben Berufs- und Eigenschaftsnamen zu den häufigsten Familiennamen in Zentraleuropa.

 

Wegen der Länge und relativer Komplexität in der Schreibweise besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, daß der Familienname Laufersweiler tatsächlich mit dem gleichnamigen Dorf in Verbindung stand. Die Forschung von Dr. Fritz Schellack[5] deutet darauf hin, daß die heutige Schreibweise des Ortes Laufersweiler erst nach 1590 erscheint. Vorher war die Schreibweise des Ortsnamens Leuferswilre, was damals als Lewaschwiler ausgesprochen wurde. Bis heute hat sich im Dialekt der Nachbardörfer die Ursprüngliche Aussprache als Lawaschwiler erhalten.

 

Die Schreibweise aller bekannten Ahnen entspricht überwiegend der Schreibweise des Ortes Laufersweiler nach 1590[6]. Um das Jahr 1690 gab es nachweislich mindestens 20 Träger dieses Namens in der Pfalz. Die ältesten bekannten Erwähnungen des Personennamens Laufersweiler, wie es von anderen Forschern berichtet wurde, stammen aus der Zeit um 1620. Daraus kann bestimmt werden, daß unsere Vorfahren wohl zwischen 1590 und 1620, also rund um das Jahr 1600 den Namen Laufersweiler angenommen haben. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, daß mehrere nicht verwandte Familien diesen Namen unabhängig voneinander annahmen. Gleichzeitig kann mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden, daß der Name älter als 1590 ist, da er sonst Leuferswilre lauten müßte. Es wäre unwahrscheinlich, daß alle lebenden Personen den Namen einer späteren Änderung der Schreibweise des Ortes Laufersweiler anpassen würden.

 

Es gibt deutliche Hinweise dafür, daß es höchstwahrscheinlich nie die legendären Freiherren von Laufersweiler gegeben hat. In den Bibliotheken gibt es ausführliche Adelskataloge, die jedoch nirgendwo von Laufersweiler berichten. Auch Dr. Fritz Schellack, der eine Chronik des Ortes Laufersweiler verfaßt hat[7], sieht keine Hinweise für ein adliges Geschlecht von Laufersweiler.[8] Zu dieser Legende wurde auch eine Frage in den Fragebögen gestellt, die an andere Laufersweiler verschickt wurden (heute leben etwa 70 Personen mit dem Namen Laufersweiler in Deutschland). Abgesehen von Erich Ferdinand Laufersweiler wurden keiner von den antwortenden Personen Berichte über adelige Vorfahren bekannt.

 

Da zwischen den ältesten Hinweisen auf den Familiennamen Laufersweiler (ohne von) und der heutigen Schreibweise des Ortes nur etwa 30 Jahre liegen (1620 - 1590 = 30 Jahre), kann nach dem heutigen Stand der Forschung davon ausgegangen werden, daß Freiherren von Laufersweiler wohl nur Wunschträume unserer Vorfahren waren. Eine solche glorifizierende Legendenbildung ist in der Genealogie wohlbekannt und wird von vielen Familienforschern berichtet.

 

Wie sind dann unsere Vorfahren zu diesem Namen gekommen? Darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht stammten sie tatsächlich aus dem Ort Laufersweiler in Hunsrück - hier könnte der wahre Kern der adeligen Legende liegen - und zogen, wie es damals üblich war, entlang der Postwege in Richtung Frankfurt. Als sie in ihre neue Heimat in einem der Pfälzischen Dörfer südlich von Mainz kamen (siehe nächstes Kapitel), übernahmen sie den Namen ihres Herkunftsortes als Familiennamen. Bis heute ist es vor allem in kleinen Dörfern üblich die Neuzugezogenen nach ihrem Herkunftsort zu bezeichnen ("das sind die Mannheimer, Partenheimer, Wormser usw."). Vielleicht hatten diese Vorfahren auch einen weitverbreiteten Namen, wie z.B. Müller oder Klein, der in ihrem neuen Ort bereits mehrfach vorhanden war. Um weitere Verwechslungen zu vermeiden, änderten sie ihren Namen nach dem Herkunftsdorf eines Familienmitgliedes.

 

3.3. Genealogische Funde zwischen 1630 und 1878

 

Die nachfolgende Tabelle stellt genealogische Angaben aus drei Quellen zusammen:

 

      Angaben des Archivs Louter aus Holland

      Forschung in Kirchenbüchern von Hans-Martin Holleitner

      Forschung in Kirchenbüchern des Ortes Partenheim von Leonard Laufersweiler

 

Diese Angaben stellen einen wichtigen Hinweis auf die Verteilung der Träger des Namens Laufersweiler in Deutschland zwischen 1654 und 1878. Die älteste hier erwähnte  Person ist wohl Peter Laufersweiler, der 1657 in Gaulsheim heiratet. Demnach mußte er um 1630 geboren sein.

 

Interessant ist auch die unterschiedliche Schreibweise des Namens in den Kirchenbüchern:

 

      Laubersweiler[9]

      Lawersweiler[10]

      Lauffersweiler

      Laufersweiler

 

Diese Unterschiede in der Schreibweise können häufig auch bei anderen Familiennamen beobachtet werden. Sie hängen mit dem wenig ausgeprägten Grammatikbewußtsein der Namensträger und der buchführender Pastoren in dieser Zeit zusammen und wohl auch mit dem unterschiedlichen Alter der Einträge. Nicht selten wird nachweislich dieselbe Person an verschiedenen Stellen eines Kirchenbuches mit unterschiedlicher Schreibweise geschrieben.

 

Die hier aufgelistete Sammlung der genealogischen Daten erfolgte nicht systematisch. Es sind nur Zufallsfunde. Eine systematische Erforschung anderer Quellen könnte noch weitere Angaben in anderen Gebieten finden. Sie sind jedoch ein wichtiger Hinweis, daß das Siedlungsgebiet der Laufersweiler um das Jahr 1700 überwiegend die Ostpfalz war und wie wir später sehen werden, bis heute geblieben ist. Das holländische Archiv Louter wurde von mir beauftragt im gesamten Gebiet des Deutschen Reiches nach Laufersweiler-Angaben zu suchen. Auch hier lagen die gefundenen Angaben fast ausschließlich in der Pfalz. Von Interesse ist auch, daß mit Ausnahme der Partenheimer- und Düsseldorfer-Linie, fast alle Laufersweiler katholisch waren.

 

Die hohe Verbreitung des Namens und unterschiedliche Religionen lassen die Frage aufwerfen, ob alle Laufersweiler miteinander verwandt waren, oder ob es sich hier um einen gängigen Nachnamen handelt, wie z.B. Partenheimer, Offenbacher oder Mannheimer, der in dieser Region von mehreren nichtverwandten Familien angenommen wurde. Dies sollte von der künftigen Forschung noch geklärt werden.

 

Name

Datum

nur Sort.

Ort

Ereignis

Name

Eltern

Kinder

Rel./Quelle

Peter Laufersweiler

1.1654

1654

Gaulsheim

getauft

 

Johannes u. Margaretha

 

r-k KB Gaulsheim

Anna Margaret. Laufersweiler

27.12.1657

1657

Gaulsheim

getauft

 

Peter u.

Anna Maria

 

r-k KB Gaulsheim

Peter Laufersweiler

12.1.1657

1657

Gaulsheim

heiratet

Durst Anna Maria

Peter

 

r-k KB Gaulsheim

Johann Michael Lauffersweiler

12.10.1659

1659

Gaulsheim

getauft

 

Johannes u. Margaretha

 

r-k KB Gaulsheim

Johann Heinrich Lauffersweiler

24.9.1661

1661

Gaulsheim

getauft

 

Joes u. Margarethe

 

r-k KB Gaulsheim

Johannes Laufersweiler

23.11.1663

1663

Gaulsheim

getauft