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Fortsetzung von Teil
1:
Unter welchen Umständen ist Johann Martin Laufersweiler im Jahre 1784 nach Galizien ausgewandert?
Die Ansiedlung deutscher Bauern und ländlicher Handwerker in Galizien ist das Werk Kaiser Josephs II . Nach der Inbesitznahme des Landes durch seine Mutter, die Kaiserin Maria Theresia , bei der ersten Teilung Polens im Jahre 1772 wurden neben dem Militär auch Verwaltungsbeamte in die galizischen Städte geschickt, um die Anpassung an die übrigen österreichischen Kronländer in die Wege zu leiten. Josef II. erkannte jedoch bei seinen Reisen durch Galizien im Jahre 1773, daß nicht nur die galizischen Städte Impulse von außen bedurften, sondern auch die Landwirtschaft. Die neue Provinz war ein ausgesprochenes Agrarland und die Mehrzahl der Bevölkerung war in der Landwirtschaft tätigt. Zahlreiche Pächter und Unterpächter auf der einen Seite und die leibeigene bäuerliche Bevölkerung auf der anderen Seite lebten in trostlosen Verhältnissen, die durch ein wenig entwickeltes Regierungssystem verursacht wurden. Das Bildungsniveau war so bescheiden, daß von den zahlreichen Bevölkerungsgruppen in Galizien: Polen, Ukrainer, Ruthenen, Russen und Juden oft nur die letzteren des Lesens und Schreibens mächtig waren.
Um diese festgefahrenen Mißstände zu beseitigen, entschloß sich Josef II. zur Ansiedlung einer begrenzten Anzahl deutscher Bauer in Galizien, die eine verstärkte Bindung des Landes an Österreich bewirken sollten. Nach dem Antritt der Alleinherrschaft in Österreich im Jahre 1780 erließ er daher zwei wichtige Patente, die die Ansiedlung ermöglichen sollten:
am 17. September 1781das Toleranzpatent , das den Protestanten formell die Religionsfreiheit gewährte und
am 13. Oktober 1781 das Ansiedlungspatent , durch das den bäuerlichen Kolonisten verschiedene Freiheiten und wirtschaftliche Vergünstigungen eingeräumt wurden, wie:
· Freiheit von Herrenfron (Leibeigenschaft)
· 40 Joch freies Eigentum
· Kriegsdienstbefreiung auf ein Jahrzehnt
· reichliche Unterstützung für die Wanderung
Die politischen Neuerungen verbreiteten sich in Windeseile durch Südwestdeutschland. So berichtet z.B. ein Augenzeuge von der Rheinpfalz 1782:
"Keine Stadt, Marktflecken oder Dorf war, wo nicht gedruckte Aufrufe von Hand zu Hand gingen. Die Gnade Josephs war so hoch aufgenommen, daß die ganze Gegend auswandern zu wollen schien. Es brachen so viele - mitunter auch recht wohlhabenden Sippen - zur Auswanderung auf, daß die Straßen völlig bedeckt wurden und es das Aussehen bekam, als wollten die Menschen die Gegend verlassen".
Bald wurden in Zweibrücken, Kaiserslautern, Worms und anderen Städten Kolonisationsagenturen eingerichtet. Unter den Einwohnern mancher Gegenden ist eine Goldgräberstimmung ausgebrochen. Es begann ein Wettrennen nach Dokumenten, die zur Ausstellung des Auswandererpasses notwendig waren.
Auch der Bauer Johann Martin Laufersweiler aus Partenheim erlag der allgemeinen Begeisterung. Während des Winters 1784 verließ er mit seinem 8-jährigen Sohn Johann Peter Laufersweiler und sechs weiteren Personen sein Geburtsdorf und machte sich auf den beschwerlichen Weg in den Osten. Die meisten Auswanderer gingen zu Fuß, viele schoben vor sich Schubkarren mit ihrer Habe. Auf der monatelangen Wanderschaft gebaren viele Frauen ihre Kinder. Sie gingen am Odenwald entlang über Heidelberg, Heilbronn nach Stuttgart. In Ulm erreichten sie die Donau. Von da an ging es nach längeren Wartezeiten mit dem Schiff auf dem Fluß über Salzburg nach Wien, wo die erschöpften Wanderer nach 50 bis 70 Reisetagen ankamen. Einige brachen die Reise vorzeitig ab und kehrten zurück, einige starben auf dem Weg.
LEERSEITE
FÜR KARTE
In Wien gab es eine kurze Ruhepause und Geldzuschüsse der Monarchie. Von hier aus ging es über Mähren weiter. Am 18. Juni 1784 wurde Johann Martin Laufersweiler beim Durchgang im Mährisch-Neustadt mit 8 Personen registriert.[12] In Olmütz erhielten sie noch einen finanziellen Reisezuschuß. Weiter wanderten sie entlang der Beskiden durch Teschen zur ersten galizischen Stadt - Biala, heute Bielsko-Biala in Polen. Hier an der Grenze zu Galizien reihten sich die Kolonisten nach einer Ruhepause zu langen Karawanen, die sie in ihr künftiges Siedlungsgebiet, in die Dörfer etwa 30 km südlich von Lemberg brachten.
Die Ankunft in der neuen Heimat war für viele Kolonisten ein Alptraum. Es stellte sich heraus, das ihnen häufig zu viel versprochen wurden. Da das Land noch nicht parzelliert war, verbrachten Teile der Pfälzer den Winter verteilt auf die polnischen und ukrainischen Bauernhöfe in der Umgebung. Viele Siedler sind gescheitert und ihre Namen erscheinen nicht mehr in den späteren Listen. Von denjenigen, die es geschafft haben, muß jedoch mit Hochachtung gesagt werden, daß sie trotz höchster Strapazen aus einem brach liegenden Land innerhalb von zwei Generationen blühende Siedlungen geschaffen haben.
Johann Martin Laufersweiler hielt sich mit der Familie vier Jahre nach der Auswanderung (bis 1788) in Weinbergen[13] auf. Danach erwarb er von Jakob Koch den Bauernhof Nr. 5 in Rosenberg. In diesem Haus verbrachten vier Laufersweiler-Generationen ihr Leben, hier wurde später auch die Rosenberger Schule untergebracht. Eine "Gerichtliche Beschreibung und Abschätzung der Rosenberger Ansiedlungswirtschaft Nr. 5 aus dem Jahre 1842" liegt als Urkunde im Buch von Fritz Seefeld vor[14].
Sein Sohn Johann Peter Laufersweiler heiratet am 3.11.1793 in Lemberg die Witwe Katharina Bredy, geborene Wolfskehl. Vom Johann Peter Laufersweiler wird noch berichtet, daß er 1820 durch Rodungen und Kulturveränderungen weitere Grundstücke erworben hat[15] und somit die vom Vater vererbte Landwirtschaft in Rosenberg 5 erweitert hat.
Sein Sohn Karl Georg Laufersweiler (in manchen Urkunden als Carl Laufersweiler erwähnt) heiratet am 20.4.1819 Katharine Manz aus Dornfeld, deren Eltern aus Kaiserslautern und Großeltern aus Hunsrück stammten. Beide Eheleute haben somit ähnliche familiäre Schicksale. Die Familie Manz war eine der größten und meistverzweigten Dynastien im Dornfelder Bezirk. Es gab kaum eine Familie, die mit ihnen nicht irgendwie verwandt war. Karl und Katharine Laufersweiler hatten miteinander mindestens acht Kinder.
Bereits im Alter von 19 Jahren hat Karl Georg Laufersweiler angefangen als Lehrer zu wirken und hat somit eine Berufstradition begründet, die in der Familie bis heute in ununterbrochener Folge in fast jeder Generation eingehalten wird.
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Lehrer |
Geburtsort, -datum |
Lehrer im Ort |
von - bis |
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Karl Georg Laufersweiler |
Rosenberg, 1796 |
Rosenberg |
1816 - 1819 |
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Einsiedel |
1820 - 1825 |
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Falkenstein |
1825 - 1832 |
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Rosenberg |
1832 - 1856 |
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Wilhelm Laufersweiler |
Rosenberg, 1834 |
Einsiedel |
1855 - 1857 |
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Rosenberg |
1857 - 1878 |
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Ferdinand Laufersweiler |
Rosenberg, 1842 |
Lindenfeld |
1867 - 1872 |
Quelle: Fritz Seefeld; Dornfelds Chronik 150 Jahre Auslanddeutschen
Schicksal; S.294-297;Plauen 1936
Die
Dornfelder Chronik berichtet: "Der
1796 in Rosenberg als Ansiedlersohn geborene Carl Laufersweiler kam nun - nach 5 jähriger
Lehrzeit in Einsiedel - 1825 nach Falkenstein; und gilt als einer der besten
Lehrer des ganzen Senoirats, wenn man auch mit seinem Lebenswandel nicht immer
ganz zufrieden ist.
Rosenberg hatte von Anfang an
schwer um seine Schule zu kämpfen, wollte aber seinen Kindern unbedingt eine
deutsche Schule halten. Der erster Lehrer war der Kolonist Lorenz Sommerrock,
der von 1806 - 1810 wirkte, aber den Alkohol zu lieb hatte. Er reiste im
Frühjahr 1810 - wohl als Briefbote - in die alte Heimat. Als er zurückkam, war
seine Stelle besetzt.
Die Rosenberger hatten sich
mit dem fast 60 jährigen Szczerzecer Glaser Martin Alber für den Winter 1810/11
beholfen und hielten ihn sich durch 4 Winter hintereinander immer wieder als
Lehrer.
Schon 1816 beginnt der 19
jähriger Rosenberger Ansiedlersohn Carl Laufersweiler im väterlichen Hause zu
unterrichten und kehrt nach 13 jähriger Lehrzeit in Einsiedel und Falkenstein
wieder in sein Heimatdorf zurück. In der Zwischenzeit haben [mehrere Lehrer] hier, so gut und
schlecht es ging, die Kinder betreut. 1832 übernimmt [Carl] Laufersweiler seinen väterlichen
Kolonistengrund in Rosenberg und wird dort Lehrer. Er unterrichtet die Kinder
in seiner Bauernstube zur Zufriedenheit der Gemeinde und der Behörden bis 1857,
d.h. bis sein Sohn [Wilhelm
Laufersweiler] die Arbeit des
Vaters - sowohl in der Bauernwirtschaft, wie in der Schule - übernimmt und 20
Jahre weiterführt. Er hatte als Schulgehilfe bei seinem Vater begonnen und war
nach Beendigung eines Präparandenkurses in Lemberg zuerst 2 Jahre Lehrer in
Einsiedel gewesen.
So hilft sich eine der kleinsten Kolonien [mit durchschnittlich nur 10 - 16 Familien und rund 20 Kindern] durch ein halbes Jahrhundert, indem eine Bauernfamilie des Dorfes den Lehrer stellt. Es ging nicht immer alles gut. Es war Neid auf der einen - und manchmal auch fast unerträgliche persönliche Verhältnisse auf der anderen Seite; aber es war Schulunterricht! Was die großen polnischen und ruthenischen Dörfer nicht fertig brachten, das setzte das kleine Rosenberg mit 16 Familien durch: eine Schule zu haben bevor noch der Staat wesentlichen Einfluß auf das Schulwesen nahm."[16]
Die Schulbedingungen in Galizien zu Ende des 18 Jahrhunderts waren in der Tat katastrophal. Unter Joseph II. hatten von 18 galizischen Kreisen nur 3 staatliche Volksschulen. "Daß die deutsch-galizischen Schulen in einer für unsere heutigen Verhältnisse primitiven Form bestanden, die Lehrer mit einem uns heute unglaublich anmutenden Bildungsmangel ihre Arbeit verrichteten darf uns nicht verwundern."[17] Denn eine Schulpflicht bestand nicht. Die Urkunden beschreiben die ersten Lehrer häufig mit der Hinzufügung "sonst Kuhhirte und Feldhüter dahier" der nun sein Gehalt doppelt verdient: im Sommer mit Viehhüten und im Winter mit Schulehalten.[18]
Diese Umstände bestanden wohl noch während des Wirkens von Karl Georg Laufersweiler, er selbst erfreut sich jedoch eines ausgezeichneten Rufes, wird z.B. als "tüchtiger Falkensteiner Lehrer Laufersweiler" bezeichnet[19], bildet selbst Lehrer aus und ist somit eine beispielhafte Ausnahme der Tüchtigkeit unter den unterrichtenden Bauern. Pikanterweise wird sein Schulgehilfe Philiph Ganz aus der Falkensteiner Schule wegen schwerer Körperverwundung zu einem Monat Kerker verurteilt, was jedoch ohne Einfluß auf die gute Reputation seines Lehrers blieb.
In die Amtszeit von Karl Georg Laufersweiler fällt die furchtbare Choleraepidemie von 1831, die in Galizien 100.000 Menschen das Leben kostete und das Aussterben ganzer Familien verursachte. In der Revolution von 1848 haben sich die angestauten sozialen, nationalen und religiösen Spannungen der Umbruchszeit teilweise entladen. Erst in dem 1861 erlassenen Protestantenpatent gab es weitreichende Gleichstellung der Religionen vor dem Gesetz.
Seine Söhne Wilhelm, Karl und Ferdinand Laufersweiler folgen den väterlichen Fußstapfen und werden auch Lehrer. Sie sind auch noch Landwirte, ihr pädagogisches Wissen wird jedoch durch den Besuch eines einjährigen Präparandenkurses in Lemberg vertieft.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es eine verstärkte Abwanderung der Nachkommen der Kolonisten in die Nachbardörfer, was Vermischungstendenzen mit der polnischen und ukrainischen Bevölkerung stärkte und den protestantischen Charakter der deutschen Bevölkerung minderte. Viele gingen in die Galizische Hauptstadt Lemberg, oder sogar nach Amerika. So ging z.B. auch Marie Laufersweiler in die USA, wo sie Herrn Hilton heiratete.
Die Nachkommen von Karl Laufersweiler (geb. 1840) wanderten später nach Rumänien aus (Stammtafel LAU-3), wo sie und ihre Ehefrauen als Lehrer tätig waren. Heute leben die meisten von ihnen in Österreich.
Ferdinand Laufersweiler wird Lehrer in Lindenfeld und später Oberlehrer in Einsingen. Und heiratet Maria Katharine Manz, deren Stammbaum über den deutschen Hochadel im Mittelalter bis zum Karl dem Großen und den byzantinischen Kaisern reicht. Diese Abstammung ist skizzenhaft in der Stammtafel SAU-1 angedeutet. Wegen des großen Umfangs muß die genaue Untersuchung jedoch einer späteren Arbeit überlassen werden.
Deren Sohn Adolf Laufersweiler (geb. 1885) unterbricht für eine Generation die Lehrertradition, wird ein Tischler und später Eisenbahnschaffner. Er zieht um die Jahrhundertwende mit seiner ersten Ehefrau Katharine geb. Müller nach Lemberg-Lewandówka, wo auch alle seine Kinder geboren werden.
Ab 1886 und in den folgenden Jahrzehnten betreibt die preußische Regierung ein Siedlungswerk in der Region um Posen und ruft Willige zur Ansiedlung auch aus Galizien. Damit verstärkt sich die Abwanderung der deutschen Bevölkerung aus dieser Region. Während des I. Weltkrieges flüchteten im Sommer 1915 die meisten Deutschen aus den Dörfern um Dornfeld vor der russischen Armee. Bis 1916 kehrten dann die meisten Flüchtlinge wieder zurück.
Der Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie 1918 und das Entstehen von neuen Nationalstaaten beflügelte die Ukrainer eine West-Ukrainische Volksrepublik auszurufen, was die Polen jedoch nicht anerkannten. Sie belagerten monatelang Lemberg, die Hauptstadt der selbsternannten Republik, bis diese gefallen war. Aber dann kamen schon die Bolschewiken an die Macht. In den Wirren der Zeit kam es regelmäßig zu Plünderungen. Raubende Soldaten, Rebellen und Revolutionäre verschiedener politischer Gruppierungen zogen durch die Dörfer.
Adolf Laufersweiler zog wohl noch vor dem I. Weltkrieg nach Lemberg-Lewandówka, wo auch alle seine Kinder geboren wurden und wo auch seine Frau Katharine, geb. Müller beerdigt ist (s. Stammtafel LAU-1). Er war in Einsingen geboren, wohin wohl sein Vater Ferdinand Laufersweiler als Lehrer versetzt wurde. Es ist nicht bekannt wann genau die Familie nach Lemberg zog, aber es muß zwischen 1890 und 1910 passiert sein, denn 1885 war Adolf Laufersweiler in Einsingen geboren und 1911 ist sein Sohn Erich Ferdinand Laufersweiler in Lemberg-Lewandówka geboren.
Im
Jahre 1939 besetzten deutsche und sowjetische Truppen Polen von Westen und
Osten her und teilten das Land in gütlicher Absprache. Die schon vor Lemberg
vorgedrungenen deutschen Truppen zogen sich gemäß den Abmachungen bis zum San
zurück. Das geschah im September 1939. Heute wissen wir, daß ein geheimes
Zusatzprotokoll im Hitler-Stalin-Pakt von 1939 die Interessensphären in Europa zwischen Deutschland und
Sowjetunion aufgeteilt hat. Der Grenzverlauf dieser zwei Einflußsphären verlief
ungefähr entlang der heutigen Ostgrenzen von Polen, Slowakei und Ungarn. Die
östlich dieser Linie lebenden Deutschen mußten gemäß dieser Geheimabmachung von
der sowjetischen in die deutsche Sphäre umgesiedelt werden.
"Inzwischen war von der
deutschen Führung der ungeheuerliche Plan vorbereitet, das gesamte Deutschtum
des Ostens in die nunmehrigen Grenzen des "Großdeutschen Reiches"
heimzuholen.
In dieser Völkerwanderung, wie sie in diesem Umfang in der uns bekannten Geschichte [der Deutschen] noch nicht erfolgt ist, sind aus Galizien etwa 55.000 Deutsche zurückgeholt worden."[20]
Aus Estland, Lettland, Wolhynien, Galizien, dem Narew-Gebiet wurden 215.000 Umsiedler gezählt. Die Deutschen aus Beßarabien (94.000), der Bukowina (96.000) und der Dobrudscha (16.000) umfaßten noch einmal 200.000 Menschen. So wurden mit den Deutschen aus Litauen und dem Chelmer Land mehr als eine halbe Million Ostdeutsche ausgesiedelt.
Die Aussiedler wurden mit Eisenbahn und Treckwagen befördert und im Wartheland in der Region um Lodz (heute Polen) angesiedelt. Adolf Laufersweiler wurde direkt nach Lodz umgesiedelt. Bei seiner Registrierung in Lodz hat er als Heimatadresse Dornfeld 83 angegeben[21], was wohl das Geburtshaus seiner Frau Katharine, geb. Müller war. Auch sein Sohn Erich Ferdinand Laufersweiler berichtete über Kontakte zu Verwandten nach Dornfeld. Hier in Lodz starb 1940 Adolfs 12-jähriger Sohn Reinhold Leopold Laufersweiler an Lungenentzündung.
Die Ansiedlung der Deutschen in Wartheland war ein Alptraum für die polnische Bevölkerung. Sie wurden von Soldaten gewaltsam aus ihren Häusern ausgetrieben, um den Neuankömmlingen Platz zu machen. Dies geschah so kurzfristig, daß die Umsiedler häufig noch warmes Essen auf den Öfen vorfanden.
Ein Zeitzeuge berichtet:
"...an jedem Haus, aus
welchem die polnischen Besitzer unter zwangsweisem Zurücklassen alles lebenden
und toten Inventars hinausgetrieben worden waren, stand ein Soldat und zeigte
eine Fahne mit einer Nummer. Wer die betreffende Nummer um den Hals hängen
hatte, fuhr in den Hof hinein und übernahm ihn.
... Erfreulich war, daß die Umsiedler ihren evangelischen Glauben und ihrer völkischen Eigenart die Treue hielten... Es war vorauszusehen, daß Unrecht niemals gedeihen und keinen Segen bringen kann. Die Herrlichkeit hat ja auch nur 4 Jahre und 8 Monate gedauert."[22]
Am 18. Januar 1945 traf die Umsiedler ein neuer Schlag. Auf den Befehl der selben politischen Behörden die sie vor knapp 5 Jahren hier angesiedelt hat, mußten sie an diesem Tag die Flucht antreten und dabei ihr Besitztum zurücklassen, wenn sie ihr Leben retten wollten. Die Männer mußten innerhalb von 4 Stunden zum Volkssturm anrücken. Die Frauen waren selbst die Kutscher für ihre Treckwagen. Die 21-tägige Flucht in den Westen während des sehr harten Winters war schrecklich. Der gesamte Schmerz, den die deutsche Besatzung in Osteuropa verursacht hat, schien sich auf einmal zu entladen. Die Früchte der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft waren schrecklich. Fliegerangriffe verbreiteten den Tod unter den Flüchtlingen. Die russischen Panzer durchbrachen die Flüchtlingskollonen. Viele wurden nach Sibirien verschleppt. "Im Durcheinander der Fluchttage verloren sich viele Familienmitglieder, Eheleute und Kinder, die sich nie wieder gefunden haben."[23] "Nun sind sie zerstreut über ganz Deutschland und darüber hinaus. Nicht wenige hat der Weg nach USA und Kanada geführt."[24]
Dem damals 60 jährigen Adolf Laufersweiler gelang die Flucht aus Lodz nach Seelow in der späteren DDR, wo er bis zu seinem Tod in 1951 gelebt hat. Seine Söhne Adolf Phillip und Heinrich Johann Laufersweiler kamen nach Westdeutschland und lebten in Baden-Württemberg. Sein ältester Sohn Erich Ferdinand blieb in Polen und lebte später in der Tschechoslowakei. Seine Tochter Hedwig Johanna ging über Österreich in die USA, wo sie heute noch in Michigan lebt. Seine jüngste Tochter Hildegard lebt in Ost-Berlin (s. Stammtafel LAU-1).
Die dramatische Entwicklung der letzten Kriegswochen zerstreute die Laufersweiler über die halbe Welt. Jahrzehnte lang haben sich die vom eisernen Vorhang getrennten Verwandten nicht gesehen.
Einige Laufersweiler sind nach Amerika ausgewandert. So verließen Elise Laufersweiler und ihre Schwester Marie Laufersweiler Europa und wanderten Ende des 19. Jahrhunderts nach USA ein. Marie heiratete gewissen Herrn Hilton mit dem sie die heute über die ganze Welt verbreitete exklusive Hotelkette Hilton gründete.[25]
Hedwig Johanna Laufersweiler (*1923) wanderte nach dem II. Weltkrieg nach USA aus und lebt heute in Michigan/USA, verheiratet mit dem Maschinenbaumeister Hans Fuchs.
Während der Forschungsarbeiten wurden mehrere nicht geschlossene Stammesketten ermittelt, die jedoch nicht weiter zugeordnet werden konnten (siehe Stammtafeln LAU-A und LAU-B).
Es ist hochwahrscheinlich, daß der Heinrich Laufersweiler (*1866 in Galizien) aus der Stammtafel LAU-A ein Enkel von Karl Georg Laufersweiler (*1798) aus der Stammtafel LAU-2 ist.
Bei der nicht zugeordneten Laufersweiler-Linie aus der Stammtafel LAU-B gibt es keine Überlieferung über Aus- oder Einwanderung in Zusammenhang mit ostdeutschen Gebieten. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert gab es jedoch Laufersweiler, die aus der Pfalz in die Düsseldorfer Gegend hineingeheiratet haben.
Bei allen anderen Laufersweiler-Linien und Einzelpersonen gibt es, nach dem heutigen Stand der Forschung, keine Hinweise auf Verwandtschaft.
Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht der Laufersweiler-Haushalte, geordnet nach Postleitzahlen, die im Januar 1995 in Deutschland einen Telefonanschluß hatten, der in der öffentlichen BTX-Datenbank erfaßt war. Es ist bemerkenswert, daß wie vor 300 Jahren, die meisten Laufersweiler immer noch in der Pfalz leben (Postleitzahlen 5xxxx und 6xxxx). Diejenigen Laufersweiler, die heute in anderen Gebieten leben, haben häufig Vorfahren, die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in die heutige Bundesrepublik zurückkehrten und sich dabei in die neuen Regionen angesiedelt haben.
Land: Deutschland
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PLZ, Ort |
Name |
Straße |
Vorwahl |
Telefon |
|
10777 Berlin |
Hans Laufersweiler |
Spichernstr. 22 |
030 |
2113156 |
|
12247 Berlin |
Jochen Laufersweiler Lankwitz |
Siemensstr. 50A |
030 |
7712196 |
|
13189 Berlin |
Waldemar Laufersweiler |
Arnold-Zweig-Str. 40 |
030 |
4720115 |
|
14163 Berlin |
Heinfried Laufersweiler |
Dr. Ravenweg 17 |
030 |
8015757 |
|
22607 Hamburg |
Hans-G. Laufersweiler |
Ostermeyerstr. 11 |
040 |
8226829 |
|
22607 Hamburg |
Klara Laufersweiler |
Ostermeyerstr. 23 |
040 |
825110 |
|
26382 Wilhelmshaven |
Angelika Laufersweiler |
Kieler Str. 48 |
04421 |
23465 |
|
26382 Wilhelmshaven |
Hans Laufersweiler |
Kieler Str. 48 |
04421 |
23465 |
|
26506 Norden |
Mathilde Laufersweiler |
Jan-ten-Doornkaat-Koolman-Platz 6 |
04931 |
5350 |
|
26721 Emden |
Gerhard Laufersweiler |
Constanciastr. 13 |
04921 |
65167 |
|
29221 Celle |
Philipp Laufersweiler |
Sankt-Georg-Garten 6 |
05141 |
217439 |
|
29221 Celle |
Tanja Laufersweiler |
Ondermarkstr. 36 |
05141 |
907560 |
|
29227 Celle |
Volker Laufersweiler |
Leifertshorst 9 |
05141 |
85973 |
|
34212 Melsungen |
Axel Laufersweiler |
Schloth 1 |
05661 |
51763 |
|
34323 Malsfeld |
Dietmar Laufersweiler |
Dagobertshausen Höhenstr. 4 |
05661 |
2734 |
|
34323 Malsfeld |
Günther Laufersweiler |
Dagobertshausen Malsfelder Str. 2 |
05661 |
1741 |
|
34323 Malsfeld |
Reinhold Laufersweiler |
Dagobertshausen Malsfelder Str. 25 |
05661 |